Das kann ich nicht vergessen – Sherlock Holmes und das Langzeitgedächtnis

Aktualisiert: Juli 20

Erinnerungen sind ein empfindliches Gut – je frischer, desto labiler sind sie. Ständig und überall stehen sie an der Klippe des Vergessens. Das gilt vor allem für Erinnerungen, die wir nebenbei und eher unbewusst aufnehmen.

Einige davon bleiben jedoch hängen und werden im Laufe der Zeit immer stabiler. In solchen Fällen hat das Langzeitgedächtnis seine Finger im Spiel. Gleichzeitig kommen Fragen auf, wie wir Erinnerungen überhaupt abrufen und weshalb sich manche nachhaltig einprägen, wohingegen andere direkt in Vergessenheit geraten. Wie funktioniert das Langzeitgedächtnis?

Wenn Sie hier schon unter 4 Augen reden möchten, vereinbaren Sie gerne ein persönliches Gespräch mit mir.


Das Langzeitgedächtnis


Die Bibliothek trifft auf Sherlock Holmes


Für den Abruf von Erinnerungen gibt es zwei Modelle. Auf der einen Seite steht eine Art Bibliothek, in der nach Aufforderung ein bestimmtes Buch herausgesucht wird. Dem gegenüber steht ein Modell, das eher an Sherlock Holmes erinnert. Der Detektiv versucht, an einem Tatort aus bruchstückhaften Vermutungen und Hinweisen ein entsprechendes Bild zusammenzubauen. Beide Modelle sind gleichermaßen zutreffend und werden angewandt.

Der entscheidende Faktor für die Auswahl eines Modells ist die Zeit, die seit dem ursprünglichen Ereignis vergangen ist. Für Erinnerungen, die maximal ein paar Tage alt sind, kommt die Bibliothek zum Einsatz. Wenn ein Ereignis schon vor längerer Zeit war, arbeitet unser Gehirn stattdessen wie ein Detektiv und kann dabei richtig kreativ werden. Es arbeitet mit Vermutungen, Bruchstücken, Rückschlüssen und ist stets bemüht, aus verworrenen Einzelteilen wieder eine sinnvolle und zusammenhängende Ordnung zu konstruieren. Dabei greift unser Gehirn auch mal auf aktuelle Informationen zurück und verquirlt sie recht fröhlich mit den alten Erinnerungsbruchstücken.

Bei historischen Ereignissen beispielsweise mögen sie Aussagen von Zeitzeugen oft spannend und unterhaltsam sein, Historiker stehen derartigen Aussagen jedoch oft kritisch gegenüber. Nun wissen wir auch, weshalb sie das tun.

Wie können wir nun sicherstellen, dass unser Langzeitgedächtnis keine derart kreativen Erinnerungsfälschungen erstellt?


Das Geheimnis eines vertrauenswürdigen Langzeitgedächtnisses


Sobald wir uns an eine Sache erinnern, machen wir uns diese Erinnerung wieder bewusst. Wir bringen sie so wieder in unser Arbeits- und Kurzzeitgedächtnis und legen sie erneut ab. Das passiert normalerweise dann, wenn wir sie wieder benötigen oder mit anderen teilen möchten. Je öfter dieser Vorgang stattfindet, desto gefestigter wird die Erinnerung und wird irgendwann im Langzeitgedächtnis abgelegt.

Wenn Sie also diesen Artikel in den nächsten Tagen immer wieder lesen oder anderen Personen wiederholt davon berichten, werden Sie diese Inhalte für lange Zeit nicht vergessen.


Was bedeutet das nun für das Training?


Ein Training dient dazu, Lerninhalte zu vermitteln. Damit diese im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden, ist somit auch hier das Wiederkehren der Erinnerung an diese Inhalte der Schlüssel zum Erfolg. Je nach Thema wiederholen Sie die Inhalte des Trainings oder rufen Sie durch Übungen immer wieder ab.

Dabei ist entscheidend, das richtige Maß zu finden. Werden zu viele Inhalte in kurzer Zeit vermittelt, verschwimmen ältere Lerninhalte bereits und werden unkonkret. Beim Versuch des Abrufs steht Sherlock Holmes wieder auf der Matte und produziert, wenn es überhaupt noch möglich ist, eine bunte Geschichte. Diese mag möglicherweise Ihrem Gehirn gefallen, hat aber leider mit der Wirklichkeit so gar nichts mehr gemein.

Wenn Sie die praktische Planung Ihrer Trainingsinhalte in Angriff nehmen, konzentrieren Sie sich deshalb auf einige wenige Themen, die Sie vermitteln und erarbeiten möchten. Diese wiederholen Sie dann entsprechend oft und verhindern so den sequentiellen Overload, der eben gerade geschaffene Erinnerungen überschreibt.


Die Neugier zügeln


Wir Menschen sind von Natur aus neugierig und auch unser Gehirn liebt es, Neues zu lernen und belohnt uns mit Glückshormonen. Das macht zwar das Lernen angenehm, wirkt sich aber negativ auf das Gedächtnis aus.

Diesem Dilemma kann man entgehen, indem man bei den Wiederholungsübungen beispielsweise den Schwierigkeitsgrad erhöht und so neue Anreize bietet. Wir gaukeln unserem Hirn vor, es würde etwas Neues lernen und wird geradezu süchtig nach mehr. Im Prinzip wiederholen wir bei derartigen Transferaufgaben aber vor allem die grundlegenden Prozesse und schreiben sie somit immer tiefer in unser Gedächtnis.

In diesem Sinne: Lassen Sie Sherlock Holmes in seinen Geschichten und konzentrieren sich lieber auf sinnvolles Wiederholen!


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